Was ist VATES?
VATES ist eine einbettbare KI-Infrastruktur für Unternehmen von STANDOUT Inc. aus Okayama, Japan. Das System besteht aus drei Rollen: bard nimmt Eingaben auf, also natürliche Sprache, logische Symbole, Bilder und PDFs, und wandelt sie in ES um, das sogenannte EchoScript. druid ist die Konsole, in der diese Wissensbasis verwaltet, durchsucht und geprüft wird, samt Analyse der Gesprächsprotokolle. vates antwortet in der Muttersprache des Fragenden, unabhängig davon, in welcher Sprache die Wissensbasis verfasst ist.
Nutzbar ist der Dienst als fertiges SaaS, entweder als eingebettetes Widget oder als eigenständige App, oder als API-Infrastruktur für Entwickler. Für KI-Agenten steht ein Remote-MCP-Server mit OAuth 2.1 bereit.
Der technische Unterschied
VATES arbeitet ohne Vektordatenbank, ohne Embedding-Pipeline und ohne Re-Ranking. Das Wissen liegt als strukturierter Klartext vor und wird erst im Moment der Frage interpretiert. Daraus ergeben sich vier praktische Folgen:
- Eine Änderung an der Wissensbasis wirkt sofort, eine Neuindexierung entfällt
- Der gespeicherte Inhalt bleibt für Menschen lesbar und damit prüfbar
- Zu jeder Antwort lässt sich zurückverfolgen, welche ES herangezogen wurden
- Die gesamte Konsole ist für das Smartphone gebaut, von den Instanzeinstellungen bis zur Abrechnung
Für Unternehmen ist vor allem der dritte Punkt relevant: Bei klassischen RAG-Systemen bleibt oft unklar, aus welcher Quelle eine Antwort stammt. Hier ist die Herkunft nachvollziehbar.
Preise
Es gibt kein Abo, keine Monatsgebühr, keinen Mindestumsatz und keine Kündigungsgebühr. Bezahlt wird per vorausbezahltem Guthaben mit automatischem Abzug, abgerechnet wird der tatsächliche Verbrauch. Die Ersteinzahlung bei Kontoeröffnung beträgt 5,00 USD. Ist das Guthaben aufgebraucht, pausiert der Dienst von selbst und läuft nach dem Aufladen weiter.
| Leistung | Modell | Preis |
|---|---|---|
| Chat, Eingabe | Anthropic | 6 $ pro 1 Mio. Tokens |
| Chat, Ausgabe | Anthropic | 30 $ pro 1 Mio. Tokens |
| Fallback, Eingabe | OpenAI | 0,60 $ pro 1 Mio. Tokens |
| Fallback, Ausgabe | OpenAI | 3,60 $ pro 1 Mio. Tokens |
| Sprache zu Text | OpenAI | 0,018 $ pro Minute |
| Text zu Sprache, Eingabe | OpenAI | 1,80 $ pro 1 Mio. Zeichen |
Für kleine Wissensbasen mit überschaubarem Anfragevolumen ist das Modell günstiger als ein Monatsabo. Bei hohem Volumen sollte man vorher gegenrechnen, weil die Token-Preise dem Anthropic-Tarif entsprechen.
DSGVO und Datenschutz
Die Daten liegen laut Datenschutzerklärung bei Amazon Web Services in der Region Asia Pacific (Tokyo), also in Japan. Für Japan besteht ein Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission (2019/419, im April 2023 aufrechterhalten). Eine Übermittlung dorthin ist damit ohne zusätzliche Garantien zulässig, was VATES gegenüber Anbietern mit reinem US-Hosting besserstellt.
Die Aufbewahrungsfristen richten sich nach eigener Angabe nicht nach dem Sitzland, sondern nach dem jeweils strengsten Standard der anwendbaren Rechtsordnungen. Jede Datenkategorie hat eine definierte Frist mit dokumentierten Zustandsübergängen bis zur physischen Löschung. Gesprächsprotokolle lassen sich auf 30 Tage oder auf Zero Retention einstellen. Wissensbestände werden 30 Tage nach dem Löschantrag physisch gelöscht.
Sicherheitsseitig nennt der Anbieter ein manipulationssicheres Audit-Log per SHA-256-Hash-Kette, Passkeys nach WebAuthn und FIDO2, Zwei-Faktor-Authentifizierung, IP-Beschränkungen, GEOIP-Erkennung, Verschlüsselung, WAF und Backups. Pro Instanz konfigurierbare Limits sollen Denial of Wallet und Denial of Service begrenzen, orientiert an OWASP GenAI Top 10 zum Punkt Unbounded Consumption.
Einschränkungen, die man kennen sollte: Ein öffentlich einsehbarer Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO war auf der Website nicht auffindbar. Für den Einsatz in Deutschland müsste man ihn beim Anbieter anfragen. Von den sieben genannten Subprozessoren sitzen vier in den USA, nämlich Anthropic, OpenAI, Stripe und Cloudflare. Die Antwortgenerierung läuft also über US-Anbieter, auch wenn die Speicherung in Japan erfolgt. Eine deutschsprachige Oberfläche gibt es nicht, die Website ist in über zwanzig Sprachen verfügbar, Deutsch fehlt.
Für wen sich VATES lohnt
- Unternehmen mit mehrsprachiger Kundschaft, die eine Wissensbasis in einer Sprache pflegen und in vielen beantworten wollen
- Entwicklerteams, die KI-Funktionen einbetten statt ein fertiges Produkt kaufen wollen
- Organisationen, denen Nachvollziehbarkeit der Antwortquellen wichtiger ist als maximale Antwortqualität
- Projekte mit schwankendem Volumen, bei denen ein Monatsabo ungenutzt mitläuft
Weniger geeignet ist der Dienst für Unternehmen, die einen unterschriebenen AVV und EU-Hosting als harte Voraussetzung haben, sowie für Teams, die eine deutschsprachige Verwaltungsoberfläche brauchen.
Fazit
VATES geht einen technisch eigenständigen Weg: Klartext statt Vektordatenbank, Abrechnung nach Verbrauch statt Abo, Nachvollziehbarkeit statt Blackbox. Der japanische Serverstandort ist dank Angemessenheitsbeschluss datenschutzrechtlich unkritischer als US-Hosting. Für den deutschen Mittelstand bleiben zwei Hürden: der fehlende öffentliche AVV und die US-Subprozessoren in der Antwortkette. Wer beides klären kann, bekommt eine ungewöhnlich transparente Infrastruktur ohne Grundgebühr.